Bodengrund austauschen

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Bodengrund tauschen

 

Bodengrund tauschen ist für die meisten von uns ein Projekt dass wir nicht unbedingt gerne in Angriff nehmen.

 

Manchmal muss es aber sein, sei es weil es zu Fäulnisprozessen im Bodengrund gekommen ist, die sich durch umwühlen nicht mehr aufhalten lassen, oder weil wir einfach mal eine andere Optik  im Aquarium wollen. 

 

Für viele stellt sich aber auch die Frage wie man sowas überhaupt machen soll.

 

Natürlich könnte man Seine Fische fangen und in Regentonnen oder Eimern einquartieren, dann das Becken leer machen und den alten Boden raus schippen. Aber das ist der umständlichste und für die Tiere schädlichste und stressigste Weg der möglich ist.

 

Zum einen ist gefangen werden für Fische immer ein absoluter Albtraum und mit enormen Stress verbunden und zum anderen kommt es wenn einer Panik bekommt im Zwischenlager auch gerne zu einer Massenpanik die schwere Verletzungen nach sich ziehen kann.

 

Abgesehen davon ist es jede Menge absolut unnötige Arbeit und Zeit.

 

Ein Aquarium zu leeren und dann Boden mühsam von Hand zu entfernen dauert etwa vier mal so lange wie den Bodengrund im Betrieb zu tauschen, damit die Tiere in dieser Zeit nicht unterkühlen oder ersticken muss also auch Heizstab und Filter oder zumindest eine Pumpe die ausreichend Sauerstoffeintrag gewährleistet an das Zwischenlager angeschlossen werden. Besonders bei Tieren die unter extremen Stress stehen und daher eine sehr hohe Atemfrequenz haben und bei der minimalen Oberfläche von Tonnen aller Art ist es schwierig eine ausreichende Sauerstoffversorgung über mehrere Stunden sicher zu gewährleisten.

 

Hinzu kommt dass die Tiere beim Zurücksetzen erneut enormem Stress ausgesetzt sind, allen schon weil die Methode des Leermachens automatisch auch eine Verschiebung der Wasserparameter bedeutet, es sei denn natürlich man fängt alles Wasser auf, belüftet es, heizt es und pumpt es anschließend wieder zurück ins Aquarium.

 

Auch bilden sich wenn zuerst der Sand und dann erst das Wasser eingefüllt wird gerne Lufteinschlüsse die zu weiteren Problemen führen können.

 

 

Daher ist für mich ganz klar ein Wechsel im laufenden Betrieb während die Tiere im Becken verbleiben der beste Weg!

 

Das Vorgehen bei so einer Aktion ist eigentlich ganz einfach und von mir selbst schon an etwa 100 Aquarien durchgeführt worden, auch bei Tieren die keinerlei Bezug zum Menschen haben und sehr viel stressempfindlicher reagieren als Diskusfische.

 

Zu Ausfällen oder anschließend ausbrechenden Stresskrankheiten ist es im Gegensatz zu Behandlungen bei denen die Tiere entnommen werden mussten nie gekommen.

 

Ausfälle hatte ich persönlich bisher AUSSCHLIESSLICH bei Umbaumaßnahmen für die die Tiere temporär umgesiedelt wurden.

 

 

Vorbereitung / benötigtes Material

 

Eigentlich braucht man nicht viel, lediglich zwei saubere 10l Eimer (hat man Pflanzen 3 Eimer), sowie etwa 120cm Schlauch, am besten 12/16. Da unsere Becken meist ja recht tief und hoch sind empfiehlt es sich einen Stuhl der auch etwas Wasser abbekommen darf, sowie einen kleinen Tritt zu verwenden. der Tritt sollte so hoch sein, dass man bequem bis an die hintere untere Kante des Aquariums kommt, und gleichzeitig bequem mit der anderen Hand den Eimer erreicht, der etwa 10-15cm tiefer als das Aquarium stehen sollte.

 

Ach ja, ein Handtuch ist auch sinnvoll.

 

Bevor man nun anfängt den Boden zu entnehmen füllt man sich einen Eimer zur Hälfte mit Aquarienwasser und nimmt als allererstes vorsichtig alle Pflanzen aus dem Aquarium, je weniger Dreck man dabei aufwirbelt umso mehr sieht man später beim eigentlichen absaugen, daher langsam und vorsichtig arbeiten. In der Ruhe liegt die Kraft.

 

Sind alle Pflanzen im Eimer kann man diesen irgendwo in die Ecke stellen und hat diese schonmal aus dem Weg. Ideal ist es wenn man eine kleine Membranpumpe zur Hand hat die man zu den Pflanzen hängen kann, da diese in den meisten Fällen 1-2 Tage im Eimer verbleiben müssen. Alternativ kann man aber auch das Wasser im Eimer einfach täglich wechseln oder die Pflanzen in einer verschlossenen Tüte lagern.

 

Als nächstes nimmt man sich die Wurzeln vor, kleinere Wurzeln kann man einfach aus dem Aquarium nehmen und außerhalb des Beckens aufbewahren bis man fertig ist, aber aufpassen dass keine Welse mehr in den Wurzeln stecken und zwischendurch mal nachsehen ob nicht doch noch einer drin war der nun auf dem Boden liegt.

 

Eine Wurzel sollte im Becken bleiben und in eine Ecke gelehnt werden, damit die Diskus sich darunter verkriechen können während man arbeitet. 

 

Hat man große Wurzeln die sehr schwer sind, oder so filigrane Wurzeln dass man seine Welse nicht heraus bekommt verbleiben einfach alle wurzeln im Aquarium und werden nur ein eine Ecke geräumt.

 

Alle restliche Dekoration wird ebenfalls sofern kein sturer Wels drin hängt entnommen.

 

 

Bodengrund absaugen

 

Hat man sich eine Hälfte des Aquarium freigeräumt kann man anfangen abzusaugen, ob man dafür den Boden so wie er liegt Stück für Stück wegsaugt, oder ihn zuerst vorsichtig auf einen Haufen schiebt ist Geschmackssache. Ich persönlich sauge immer erst einmal so wie es liegt und schiebe dann etwa nach der Hälfte der Fläche den Rest zu einem Haufen nach vorne.

 

Das eigentliche Absaugen ist ein Kinderspiel, man hält ein Ende des Schlauchs ins Aquarium und am anderen Ende saugt man einmal kurz mit dem Mund an, den Rest erledigt die Schwerkraft.

 

Ist der Eimer mit dem man den Bodengrund auffängt voll, kann man nun entweder kurz warten und sobald sich der Dreck etwas gesetzt hat das Wasser vorsichtig zurück ins Aquarium kippen, oder man kippt das Wasser aus. Um nicht laufend mit 10cm Bodengrund zur Mülltonne rennen zu müssen haben wir den zweiten Eimer, so können wir in Ruhe weiter arbeiten bis ein Eimer komplett voll mit Bodengrund ist.

 

Entscheidet man sich dafür das Wasser wegzukippen sollte man wenn etwa 1/3 des Wassers fehlt auffüllen. Dies hat einen ganz einfachen Grund, Bequemlichkeit. Je höher der Wasserstand im Aqurium ist, umso weniger müssen wir ansaugen, und umso geringer ist daher auch das Risiko versehentlich zu schlucken ;)

 

Ist die freigeräumte Hälfte des Aquariums abgesaugt, nimmt man die im Becken verbliebene Dekoration und stellt sie langsam in die bereits abgesaugte Ecke. Die Tiere folgen idR freiwillig ohne Panik und stellen sich im Pulk dahin wo man nicht arbeitet.

 

 

Neuen Boden einfüllen

 

Bevor man den neuen Boden einfüllt sollte man diesen auf Belastungen testen. Aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung kann es immer mal vorkommen dass ein Sand Silikat oder so an das Wasser abgibt. Damit man das Spiel mit dem Bodentausch nicht gleich nochmal wiederholen darf, sollte man den neuen Boden vorher testen.

 

Hierzu nimmt man ein Glas in das man destilliertes Wasser füllt sowie etwa 2cm hoch vom neuen Boden. Dies lässt man nun ein paar Tage so stehen und misst dann den Silikatwert. Bitte auf keinen Fall Leitungswasser für den Test verwenden, da in den meisten Regionen Deutschlands schon eine recht hohe Silikatbelastung aus dem Hahn vorliegt.

 

Aquarienwasser kann verwendet werden, sofern man vorher seinen IST-Wert kontrolliert und dann quasi auf Differenz misst.

 

Wer schlau ist testet den neuen Bodengrund schon einige Tage bevor er sein Aquarium auseinander nimmt.

 

Ist der neue Sand unbedenklich kann man diesen wenn es sich um einen vorgereinigten Aquariensand handelt direkt aus dem Sack langsam in einer Ecke einrieseln lassen, oder man spült ihn vorher ab und füllt ihn dann in kleinen Portionen z.B. mit einer Suppenbolle ein. Wählt man die Suppenbolle sollte man damit bis kurz vor den Boden gehen und erst dann auskippen, das verringert die Trübung.

 

Lässt man trocken aus dem Sack rieseln empfiehlt es sich in 10kg Schritten vorzugehen und immer etwa 10kg an einer Stelle reinlaufen zu lassen und dann langsam mit der Hand zu verteilen um die Trübung zu vermindern.

 

Wie stark euer Wasser danach eingetrübt ist hängt davon ab wieviel feinste Abriebpartikel sich bei den Sandkörnern befunden haben, minimal abschätzen kann man das z.T. schon beim kauf, je staubiger der Sack von innen wirkt, umso mehr Abrieb (Steinstaub) gibt es gratis dazu.

 

 

Einrichten und Trübung entfernen

 

Ist der neue Bodengrund an Ort und Stelle kann man seine Einrichtung wieder in Ordnung bringen und sofern man dann noch etwas sieht auch die Pflanzen sofort wieder einsetzen. Ist es zu trüb zum bepflanzen oder man möchte seine Tiere zur Ruhe kommen lassen können die Pflanzen problemlos über mehrere Tage in einem Eimer gelagert werden. Lediglich das Wasser sollte dann täglich gewechselt oder zumindest belüftet werden.

 

Um die Trübung schnell wieder loszuwerden kann man auf Mikrovlies zurück  greifen, sehr gut bewährt hat sich hierbei Symec Mikro von JBL dieses kann man sowohl im Filterbecken als auch im Außenfilter einsetzen, allerdings sollte es im Außenfilter nach 24 Stunden und im Filterbecken nach 48 Stunden entfernt / Getauscht werden da es so fein ist dass es sonst dicht wäre.

 

 

Nachsorge

 

Da ein großer Teil der biologischen Aktivität unserer Aquarien im Boden liegt stellt ein Bodengrundwechsel einen erheblichen Eingriff in das biologische Gleichgewicht unseres Biotops dar.

 

Hinzu kommt, dass wir anders als bei einem Filterwechsel nicht einfach die Biomasse in den neuen Boden mitnehmen können. 

 

Mit anderen Worten wir haben gerade einen kompletten Faktor der zu einem gesunden, im biologischen Gleichgewicht befindlichen Aquarium gehört entfernt!

 

Um kein böses Erwachen nach einigen Tagen zu erleben sollte man also vorbeugen. Dies kann man indem man zusammen mit dem neuen Boden großzügig Startbakterien dosiert. Auch sollte man in der ersten Woche nach dem Wechsel nur sparsam füttern. Eine tägliche Überprüfung auf Ammonium und Nitrit sollte selbstverständlich sein. 

 

Etwa zwei Wochen nach dem Tausch ist die kritische Phase vorrüber.