Resistente Krankheitserreger

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Resistente Krankheitserreger

 

 

 

Anlass zu diesem Bericht war ein Link den mir ein Diskuszüchter Anfang Februar 2018 zukommen ließ. Für die die sich den Link nicht komplett durchlesen möchten, bzw das Bildmaterial vom NDR dazu ansehen eine kurze Zusammenfassung:

 

„Ein Mann fällt in einen Bach, ertrinkt fast. Im Klinikum finden die Ärzte multiresistente Erreger in seiner Lunge. Kurz darauf stirbt der Mann. Die genaue Todesursache bleibt ungeklärt. Klar ist aber: Nach dem Todesfall untersucht das Gesundheitsamt das Bachwasser und entdeckt tatsächlich gefährliche, resistente Keime.“ [NDR]

 

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Gefaehrliche-Keime-in-Baechen-Fluessen-und-Seen,keime302.html

 

Bei der weiteren Untersuchung wurden an diversen Orten Multiresistente Keime gefunden, besonders dort wo intensive Landwirtschaft betrieben wird. Selbst „Reserveantibiotika“ die nur dann zum Einsatz kommen wenn alles andere versagt hat, können diesen Kerlen wohl nichts anhaben.

 

Was hat dies nun aber mit uns und unseren Fischen zu tun?

 

Ganz einfach, auch wir verursachen Resistenzen, und auch unsere Tiere sind durch resistente Keime gefährdet. Kommen resistente Keime aus der Leitung landen diese auch im Aquarium.

 

Aber wie entstehen resistente Keime überhaupt?

 

Prinzipiell ganz einfach da es nur zwei Möglichkeiten gibt,  entweder ist der Keim natürlich mutiert um in einer Lebensfeindlichen Umgebung überleben zu können, oder die Resistenz ist selbstgemacht.

 

Jeder von uns kennt die Anweisung vom Arzt Antibiotika auch dann zu Ende zu nehmen, wenn man sich deutlich besser fühlt und keinerlei Beschwerden mehr hat. Viele Leute denken aber je mehr Medikamente man schluckt umso mehr belastet man seinen Organismus. Dies ist zwar prinzipiell richtig, allerdings kann nur bei einer wirklich sachgemäßen Anwendung so sicher wie möglich gestellt werden, dass alle Erreger erfasst werden. Bleiben ein paar Keime übrig können die „Lernen“ wie das Antibiotika ihre Kollegen gekillt hat und Resistenzen ausbilden.

 

Das fatale daran ist, dass diese Keime die Resistenz nicht nur vererben, sondern bei Kontakt mit anderen Bakterien die Information auch weiter geben.

 

Bakterien kommunizieren!!!!

 

Auch im Aquarium werden immer wieder Resistenzen durch falsche oder zu kurze Anwendung von Medikamenten erzeugt. Wirkstoffe die auch in der Humanmedizin genutzt werden wie z.B. Praziquantel werden unter anderem aus diesen Gründen dann für die Aquaristik verboten. Das gleiche Schicksal hatte auch Baktopur direkt.

 

Die Tendenz ist leider, dass es immer mehr immer widerstandsfähigere Keime gibt und gleichzeitig immer weniger wirksame Medikamente und zudem die Medikamente die noch halbwegs funktionieren aus der Aquaristik gezogen werden.

 

Bakterienzellen <-> tierische Zellen

 

Die Entdeckung der Antibiotika hat zwar die Welt verändert, dennoch weiß kaum jemand wie genau diese wirken. Um die Wirkung und somit auch die Bildung von Resistenzen zu verstehen schauen wir uns zuerst einmal den Unterschied zwischen Bakterienzellen und Tierzellen an.

 

Bereits auf den ersten Blick sieht man das tierische Zellen sehr viel komplexer aufgebaut sind als Bakterien. Auch sind sie sehr viel größer. Die wichtigsten Unterschiede sind jedoch, dass wir einen Zellkern besitzen in dem die DNA sitzt und dass bei Bakterien die DNA „frei herum schwimmt“. Weiterer entscheidender Unterschied, Bakterien haben eine Zellwand, wir lediglich eine Zellmembran.

 

Im Zusammenhang mit Antibiotika und Resistenzen ist noch ein weiterer Unterschied relevant, nämlich die Vermehrung. Da ich es nicht zu kompliziert machen will, nur so viel Bakterien haben eine andere Art der Zellteilung als Tiere. Wer das genauer wissen möchte den verweise ich auf diverse Publikationen wie z.B. Brock Mikrobiologie von Pearson oder online zum Start z.B. diesen Link:

 

https://www.ruhr-uni-bochum.de/genetik/Unterlagen/Eu+Prokaryoten.pdf

 

(Die Shine-Delgano Sequenz ist hier das Stichwort)

 

 

Antibiotika

 

Will man nun wirkungsvoll Bakterien abtöten und dabei idealerweise den erkrankten Organismus nicht ebenfalls abtöten muss man an den Unterschieden angreifen.

 

Antibiotika wirken entweder indem sie die Zellwand zerstören. (da wir und unsere Fische keine haben kann uns auch nichts passieren, allerdings werden Pflanzen auf diese Art ebenfalls abgetötet, da diese eine Zellwand besitzen). Oder man greift bei der Fortpflanzung ein und hindert das Bakterium an der erfolgreichen Zellteilung. Die zweite Methode braucht etwas länger um eine spürbare Wirkung zu zeigen, da die „erwachsenen“ Bakterien nicht erfassst werden und von allein absterben müssen.

 

Dosiert man nun zu niedrig oder nicht lang genug lernen die Bakterien das Medikament und seine Wirkung und Vorgehensweise kennen und lernen daraus. Dieses Lernen besteht in gezielter Mutation die es den Bakterien ermöglichst in folgenden Generationen nicht mehr anfällig auf Medikament X zu sein.

 

Hat ein Bakterium gelernt gegen diverse Medikamente Abwehrmechanismen zu entwickeln wird es als multiresistent bezeichnet.