Lochkrankheit

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Lochkrankheit

 

 

 

Der Name Lochkrankheit kann ein wenig verwirren, da es sich bei der Lochkrankheit um keine Krankheit in dem Sinne handelt dass es einen Erreger gibt der das Tier krank macht. Vielmehr handelt es sich um einen durch Mangel hervorgerufenen Abbau von Knorpel, meist im Kopfbereich.

 

Meist sind Weichwasserfische von der Lochkrankheit betroffen, insbesondere Diskusfische gelten als sehr anfällig. Aber auch andere südamerikanische Buntbarsche wie Ramirezi oder Pterophyllum sind oft betroffen.

 

 

Symptome

 

Die Symptome können je nach Ursache der Lochkrankheit abweichen, ebenso spielt es eine Rolle wie weit die Mangelerscheinungen fortgeschritten sind. Allerdings zeigen sich im Verlauf immer klar abgegrenzte wie eingestanzt wirkende Löcher.

 

Links: Das Tier zeigt auf dem Kiemendeckel ein bestehendes Loch, über dem Auge ist weißes Knorpelsekret zu sehen, welches ein neues Loch ankündigt, sowie mehrere kleine bereits aufgebrochene Löcher.                                

                  Rechts: bestehende Löcher über dem Auge sowie aufbrechendes Loch im Stirnbereich, auch hier ist das weiße Knorpelsekret

                  zu sehen

 

 

In den meisten Fällen beginnt die Lochkrankheit schleichend mit winzig kleinen Punkten über den Augen sowie im Bereich der Kiemendeckel. Oft werden diese jedoch nicht erkannt und die Krankheit erst bemerkt wenn sich erste weiße Pickel bilden die dann innerhalb eines Tages zu Löchern aufbrechen. Selten nimmt die Krankheit einen akuten Verlauf bei dem innerhalb weniger Tage immer mehr und größere Löcher aufbrechen und das Tier stirbt.

 

In manchen Fällen ist jedoch kein Knorpelsekret zu sehen, oder der Verlauf von Pickel zu Loch erfolgt über Nacht. In diesen Fällen sieht man sofort Löcher. Die Größe der Löcher reicht von Stecknadelkopfgroß im Anfangsstadium bis hin zu mehreren cm im Endstadium.

Links: Lochkrankheit im Endstadium. Der komplette Kopfbereich ist übersäht mit Löchern die von frisch bis hin zu teilweise abgeheilt reichen. Um dieses Stadium zu erreichen muss die Krankheit über Monate unbemerkt geblieben sein. 

          Rechts: In Abheilung befindliches Loch über dem Auge

 

 

 

Tiere bei denen in der Vergangenheit eine schwere Lochkrankheit vorlag behalten oft Dellen zurück, da das Gewebe nicht komplett neu gebildet wird. In Abheilung befindliche Löcher erkennt man meist an einem winzig kleinen punktuellen Loch mit einem dunklen Rand. Der Rand zeigt an wie groß das Loch ursprünglich war. Dieser verschwindet jedoch einige Wochen nachdem sich das Loch komplett geschlossen hat.

 

Ursachen

 

Die direkte Ursache für Kopflöcher ist ein akuter Mineralienmangel, jedoch ist dieser selbst ein Resultat primärer und sekundärer Ursachen. Fehlen dem Tier Mineralien beginnt es diese aus dem Knorpel im Kopfbereich zu ziehen, dadurch wird die Knorpelsubstanz abgebaut, Löcher sind die Folge. In der Literatur werden oft Darmflagellaten als primäre Ursache angegeben. Dies ist jedoch falsch. Zwar verursachen Flagellaten in hoher Zahl Mangelerscheinungen die sich dann in Form der Kopflöcher zeigen, dennoch ist die massenhafte Vermehrung von Darmparasiten eine sekundäre Ursache.

 

Die primäre Ursache liegt IMMER in den Haltungsbedingungen!!!

 

Erst wenn einer oder mehrere Faktoren zusammenkommen die das Immunsystem der Tiere schwächen können sich Darmparasiten überhaupt massenhaft vermehren und das Tier auslaugen. Liegt eine massive Parasitenbelastung vor ist der Krankheitsverlauf oft akut und schnell.

Ebenso kommt es bei schlechten Haltungsbedingungen oft zu Kopflöchern, hier entstehen sie jedoch meist schleichend über Wochen und Monate.

 

 

Mögliche Ursachen für Mangelerscheinungen:

 

  • Ernährung. Qualitativ minderwertiges Futter sowie einseitige Ernährung (z.B. ausschließliche Rinderherzfütterung) führen recht schnell zu Mangelerscheinungen [siehe Ernährung]

 

  • Hohe Keimbelastung. Sind die Tiere einer zu hohen Keimdichte ausgesetzt muss das Immunsystem auf Hochtouren arbeiten um Krankheitserreger abzuwehren. Parasiten haben dadurch leichtes Spiel Überhand zu nehmen. [siehe Hygiene]

 

  • Schlechte Wasserqualität. Leben die Tiere dauerhaft in beispielsweise zu hartem Wasser nehmen die Nieren Schaden. Das Tier kann Mineralien nicht mehr richtig aufnehmen und ist zudem geschwächt wodurch es auch Parasiten einfacher haben. Die doppelte Belastung führt sehr oft zum akuten tödlichen Verlauf [siehe Diskus in hartem Wasser]

 

  • Huminmangel Eine Zugabe von Mineralien ins Wasser kann nur dann helfen wenn die Tiere diese auch aufnehmen können. Dazu benötigen Weichwasserfische Humin. Sind in dem Haltungbecken weder Naturmangroven noch Seemandelbaumblätter o.ä. und erfolgt keine externe Zugabe von Humin können die Tiere keine Mineralien aufnehmen und im Körper halten, egal wieviel man ihnen theoretisch zur Verfügng stellt. [siehe Humin]

 

  • Vernachlässigung. Oft tritt die Lochkrankheit trotz prinzipiell guter Haltungsbedingungen im Winter auf. Die Ursache dafür ist meist in den Sommermonaten zu suchen. Das Wetter ist schön, man ist oft draußen, man fährt in Urlaub und der ein oder andere Wasserwechsel wird um ein paar Tage aufgeschoben. Die Folgen dieser kleinen Flüchtigkeiten zeigen sich dann etwa 3-4 Monate später in Form von Kopflöchern.

 

 

Behandlung

 

Die einfachste wirkungsvollste Behandlung der Lochkrankheit besteht in der Vorbeugung. Treten jedoch schon Symptome auf, ist dies auch noch kein Grund zur Panik. Da die Lochkrankheit wirklich sehr oft sekundär durch Darmparasiten verursacht wird sollte immer eine Temperaturkur durchgeführt werden. Ein Teil der Flagellaten sterben ab ca 32-33°C ab. Erste Maßnahme sollte daher sein die Tiere für etwa zwei Wochen bei 35°C zu halten. Hierbei ist auf eine sehr gute Anreicherung mir Sauerstoff zu achten! Hat man temperaturempfindliche Beifische sollte die Temperaturbehandlung in einem separaten Becken durchgeführt werden, respektive die Beifische für die Dauer der Behandlung separat gehältert werden. Ebenfalls wichtig ist die Temperatur langsam zu erhöhen und nach Abschluss der Behandlung ebenfalls langsam wieder zu senken um einer Schwimmblasenentzündung vorzubeugen. Natürlich kann man mit einer Temperaturerhöhung einen Fisch nicht parasitenfrei machen, aber man kurbelt den Stoffwechsel an, regt damit den Appetit an und erleichtert es dem Tier die Flagellaten auf ein niedriges Niveau bei dem sie keinen Schaden anrichten zu bringen.

 

Haben die Tiere bei Beginn der Temperaturkur weißen schleimigen Kot und es zeigt sich nach 2 Wochen keine Besserung, sollte eine Kotprobe zum Tierarzt gebracht werden und eine medikamentöse Parasitenbehandlung nach Anweisung des Tierarztes durchgeführt werden.

Werden zusätzlich die folgenden Punkte eingehalten heilen selbst große tiefe Löcher recht schnell ab und kommen nicht wieder:

 

  • Humingabe. Wie bereits erwähnt ermöglichen es dem Fisch erst Huminstoffe Mineralien effektiv aufzunehmen und zu halten. Daher sollte immer Humin zugegeben werden. Selbst wenn man Naturmangroven und ähnliches im Becken hat, da die Wurzeln irgendwann ausgelaugt sind und keine Humine mehr abgeben (erkennt man daran dass sie nicht mehr färben, Humine sind braun)

 

  • Ausgewogene Ernährung. Die Tiere sollten abwechslungsreich und gesund gefüttert werden. Je naturnäher die Fütterung umso schneller heilen Löcher ab und neuen wird vorgebeugt.

 

  • Gute Wasserqualität. Auch wenn es wie ein Widerspruch klingt gute Wasserqualität bedeutet für Diskusfische weiches mineralstoffarmes Wasser. Während des Abheilungsprozesses ist jedoch eine zusätzliche Gabe von Diskus Mineralien (z.B. Aqua Namin vom Diskusstudio Tinnes) zu empfehlen. Allerdings gilt hier nicht „Viel hilft Viel“ sondern sparsam dosieren, da eine hohe Dosierung die Nieren belastet.

 

  • Geringe Keimdichte. Je weniger Keime umso leistungsfähiger ist das Immunsystem

 

 

Was jedoch zu beachten ist. Wenn ein Tier einmal Löcher hatte bleibt es ein Leben lang anfällig für die Lochkrankheit. Umso wichtiger ist es bei Tieren die Löcher hatten die Beckenpflege akribisch einzuhalten. Dies kommt daher dass das neu gebildete Narbengewebe niemals so fest verankert sein kann wie der ursprüngliche Knorpel.