Diskus 1x1 für Anfänger

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Diskus 1x1 für Anfänger

 

 

Zu allererst  ES GIBT KEINE ANFÄNGERFISCHE!!!!!

 

Jeder, wirklich jeder Fisch hat Ansprüche, die erfüllt werden müssen! Bei einigen Arten liegen diese nur näher an dem was in großen Teilen Deutschlands aus der Leitung kommt als bei anderen, und manche Arten sind anpassungsfähiger, da auch ihre natürlichen Habitate größeren Schwankungen unterliegen.

 

Allerdings sind Diskus auch nicht übermäßig schwer zu halten, im Gegenteil, unter den richtigen Rahmenbedingungen sind Diskus überaus robuste Tiere. Allerdings haben sie Ansrpüche, recht hohe sogar die der Pfleger erfüllen muss. Ist man bereit dies ohne Wenn und Aber zu tun, kann prinzipiell jeder Anfänger Diskus erfolgreich und gesund halten.

 

Für die erfolgreiche Haltung gibt es einige Grundregeln die erfüllt werden MÜSSEN!

 

 

1. Ein Diskus bleibt ein Diskus

 

Egal was euch irgendwelche Großzüchter erzählen wollen, ein Diskus bleibt ein Diskus, daran ändern auch 30 Jahre Inzucht nichts!

Evolution braucht Jahrtausende, dafür reichen ein paar Generationen in Gefangenschaft nicht aus! Zwar kann man durch Selektion eine gewisse Gewöhnung erreichen, einfach da die Tiere die mit den schlechten Werten nicht klar kommen wegsterben, allerdings hat dies

nichts mit Anpassung oder Wohlfühlen zu tun.

 

Nehmen wir als Beispiel den Eskimo. Dieser ist es gewohnt bei -30°C zu leben, und kommt damit zurecht, ich behaupte aber mal, auch ein Eskimo ist ein Mensch. Und wird sich daher wahrscheinlich bei einer Temperatur um die 20 Grad sehr viel wohler fühlen. Ebenso halten Nachzuchten Karbonathärten von 10 und höher aus, aber das hat wenig mit Wohlfühlen zu tun.

 

Großzüchter verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von möglichst vielen Diskus, in möglichst kleiner Größe. Ergo wird der Diskus Salonfähig geredet, um Interessenten nicht abzuschrecken. Verkauft der gewerbliche Züchter nicht, geht er nämlich pleite ;)

 

Der Kunde im Baumarkt der noch nie ein Aquarium hatte und die schönen bunten Fische sieht, ist eher bereit 10 Fische für 20€ zu kaufen die er laut Züchterangabe in jedem Wasser ohne großen Pflegeaufwand in 200l halten kann, als 10 Tiere die 10 mal täglich gefüttert werden müssen, weiches Wasser und höchste Hygiene verlangen, und die obendrein nach ein paar Monaten der intensiven Pflege ein Becken brauchen das um die 2000€ kostet.

 

 

2. Diskus sind Gruppentiere.

 

Um sich wohlzufühlen brauchen Diskus eine Gruppe von Artgenossen. Zwar kann es wenn man Glück hat, und die Tiere gut harmonieren bereits mit 6 Tieren klappen, allerdings fängt eine richtige Gruppe um die 10-12 Diskus an. Legt man dabei die 50l-pro-Tier-Regel zugrunde bedeutet das, dass das Becken um die 600l Volumen haben sollte (z.B. 180x60x60cm).

 

Verzichtet man komplett auf Beifische und passt die Einrichtung mit Hängewurzeln so an, dass die Tiere Schwimmraum UND Rückzugsmöglichkeit haben, funktionieren auch 400-450l.

 

Ihr merkt, es wird schon wieder sehr individuell.

 

 

3. Diskus sind Weichwasserfische.

 

Dies bedeutet für uns als (angehende) Halter, dass wir Ihnen dies auch bieten müssen! Eine Karbonathärte über 4 ist auf Dauer einfach nicht ideal. Wie man sein Wasser anpassen kann, hängt davon ab welche Werte man aus der Leitung bekommt, dies ist jedoch in der Spalte Wasseraufbereitung näher erläutert.

 

 

4. Diskus kommen aus extrem keimarmen Gewässern.

 

Ergo sollten wir uns größte Mühe geben, auch unser Aquarium möglichst keimarm und sauber zu halten. Näheres zur Technik in der Spalte Hygiene. Hohe Keimbelastungen sieht man den Tieren recht schnell an, junge Tiere wachsen nicht mehr so gut, die Farben

verblassen, oder sie werden dunkel. Die Augen treten hervor, und die Tiere werden allgemein sehr anfällig für Erkrankungen aller Art, da das Immunsystem überlastet ist.

 

Abgesehen von der richtigen Technik um das Wasser selbst sauber zu halten. Sollte man seine tatsächliche Belastung aber regelmäßig messen. Hierfür sehr gut geeignet sind die Bode Dip Slide Keimtests. Diese gibt’s beim Onlinehändler. 20 Stück rund 60€. Die Benutzung ist denkbar einfach, man taucht den Test einige Sekunden ins Wasser, brütet ihn zwei Tage im Aquarienschrank (da ist es schön warm) und dann zählt man die Punkte, respektive vergleicht seine Anzahl Punkte mit dem „Lösungsschlüssel“ vom Hersteller.

 

Aber nicht nur das Wasser ist eine potentielle Brutstätte für Keime, auch der Bodengrund. Sand neigt dazu zu verpappen. Dies kann man entweder durch tägliches umwühlen von Hand vermeiden, oder man holt sich tierische Hilfe ins Haus.

 

 

  • Corydoras

 

Den obersten Zentimeter halten einem Corydoras (Panzerwelse) sehr schön locker, da diese gern gründeln und dabei z.T. den ganzen Kopf in den Sand stecken, auf der Suche nach Futterresten. Allerdings solltet ihr darauf achten, dass euer Wunschcory auch die hohen Temperaturen verträgt. Bei Corydoras handelt es sich nämlich nicht um verschiedene Farbschläge sondern um verschiedene Arten, die zum Teil vollkommen unterschiedliche Bedürfnisse an die Temperatur haben. Sehr gut zu Diskus passen Corydoras sterbai, Smaragdpanzerwelse (Brochis splendens), Corydoras similis, Corydoras eques oder Corydoras adolphoi. Da auch Panzerwelse sehr gesellige Kerlchen sind, solltet ihr euch mindestens 10-15 anschaffen.

 

 

  • Turmdeckelschnecken

 

Bis zur Tiefe von 5cm buddeln sich Turmdeckelschnecken in den Boden ein, und fressen dort Futterreste und halten den Sand locker und frei von Gammelstellen. Turmdeckelschnecken vermehren sich recht schnell und sind lebendgebärend. Bei der Schneckenvermehrung gilt, ihr habt immer genau soviele Schnecken im Becken wie Futter für sie da ist. Auch wenn das wie eine Plage aussehen kann, sollte man sich immer bewusst sein, dass alles was die Schnecken fressen und verstoffwechseln andernfalls das Wasser und den Filter belasten würde.

 

Zudem sind Turmdeckelschnecken trotz großer Zahl fast unsichtbar. Den Großteil des Tages sind sie im Sand verbuddelt, lediglich wenn es Futter gibt oder wenn das Licht ausgeht, wandern sie an der Scheibe nach oben. Passiert so eine Wanderung in Massen unabhängig von der Fütterung während der Beleuchtungszeit sollte man schleunigst sein Wasser testen und einen Wasserwechsel vornehmen, da TDS bereits auf minimale Verschlechterungen wie ein Indikator reagieren.

 

 

  • Harnischwelse

 

Weiterer sinnvoller Helfer sind Harnischwelse. Diese wühlen sich gerne unter Wurzeln und Steine und lockern so auch die Stellen unter den Wurzeln auf wo es aufgrund von angesammelten Futterresten meist als erstes zu Gammel und Faulgasbildung kommt. Hat man Harnischwelse gibt es aber keine Reste mehr unter den Wurzeln ;)

 

Besonders geeignet für Diskusbecken sind verschiedene Arten der Hypancistrus (z.B. L401, L333, L201, L46), der Rüsselzahnwelse (z.B. L91, L264) oder der Kaktuswelse (z.B. L24, L25, L97, L114).

Sowohl Rüsselzahn als auch Kaktuswelse sind vorwiegend carnivore Tiere, die Hypancistren sind omnivore, also Allesfresser. Somit kommen diese drei Arten sehr gut mit Diskusfutter zurecht ohne Organschäden aufgrund von zuviel tierischem Protein zu bekommen.

 

 

5. Diskus haben einen hohen Sauerstoffbedarf und mögen es sehr warm.

 

Leider sinkt mit zunehmender Temperatur jedoch die Fähigkeit des Wassers Sauerstoff zu lösen. In der Heimat der Diskus herrscht ständige Frischwasserzufuhr, durch diese Bewegung ist das Wasser trotz der hohen Temperaturen ständig mit der maximalen Menge an Sauerstoff gesättigt. Im Aquarium möchte der Diskus ebenfalls maximale Sauerstoffversorgung. Diese erreicht man über mehrere Wege, wobei der für mich persönliche Idealweg eine Kombination aus allem ist.

 

  • Gute Oberflächenbewegung, zu erreichen durch passende Einstellung desFilterausströmers, sowie ggf eine Ströumgspumpe

 

  • Oxydator. Dieser beinhaltet einen (oder mehrere) Katalysatoren, sowieWasserstoffperoxid (H2O2) dieses Oxidiert zu Sauerstoff O2 & Wasser H2O.

 

         Der so entstandene Sauerstoff ist sofort und vollkommen im Wasser gelöst. Vorteil, der Oxydator ist unabhängig von Strom. Nachteil           er muss regelmäßig (i.d.R. alle 14Tage) befüllt werden, und man muss darauf achten dass kein flüssiges Wasserstoffperoxid ins                   Aquarium gelangt.

 

  • Membranpumpe. Diese läuft mit Strom und pumpt atmosphärische Luft ins Wasser.

         Haupteffekt durch Membranpumpen ist eine erhöhte Oberflächenbewegung. Zusätzlichen Sauerstoff bekommt man damit nur dann             ins Wasser, wenn die Blasen durch den Diffusor minimal klein sind, und somit eine extrem hohe Oberfläche pro Liter Luft haben.                 Allerdings kann eine Membranpumpe helfen überschüssiges CO2, dass die Tiere ausatmen, auszutreiben. Dies ist besonders Nachts             sinnvoll wenn die Pflanzen keine Photosythese betreiben und somit kein CO2 auf natürlichem Wegverbraucht wird. Allerdings gilt               dieser Effekt auch für  chemisch eingebrachten Sauerstoff weshalb man einen Ausströmerstein niemals in der Nähe eines                           Oxydatorsoder eines Hydrolysegerätes platzieren sollte.

 

  • Hydrolyse. Diese dient zwar in erster Linie der Entkeimung, jedoch reagiert ein Großteil des gebildeten radikalen Sauerstoff zurück zu molekularem Sauerstoff, und steht so den Tieren zur Verfügung.

 

  • Pflanzen. Dass Pflanzen CO2 zu Sauerstoff verstoffwechseln ist bekannt, allerdings gilt im Diskusbecken, weniger ist mehr. Natürlich darf ein Diskusbecken grün sein, aber nicht alle Pflanzen halten das Nährstoffarme weiche Wasser aus, oder die hohen Temperaturen zwischen 29 & 30 °C. Ebenso sollte man darauf achten, dass es durch üppige Bepflanzung nicht zu Drecksammelstellen zwischen den Wurzeln kommt.

 

      Gut geeignete Pflanzen für Diskusbecken sind:

 

  • Echinodorus (Wurzelzehrer, denen man alle drei Monate eine Düngetablette gönnen sollte z.B. Tropica Nutrition Capsules)
  • Anubia (Aufsitzerpflanze ohne größere Ansprüche)
  • Valisnerie (Wurzelpflanze ohne größere Ansprüche)
  • Bucephalandra (Aufsitzerpflanze die es etwas schattig mag)
  • Cryptocoryne (Wurzelpflanze ohne größere Anprüche)
  • Crinum (Zwiebelpflanze sitzt gerne in der Strömung)
  • Microsorum (Farn, Aufsitzerplanze, ohne große Ansprüche, neigt aber zum veralgen)
  • Bolbitis heudelotii (siehe Microsorum)
  • Eleocharis (grasartige Wurzelpflanze)

 

 

6. Diskus brauchen eine abwechslungsreiche gesunde Ernährung.

 

Je naturnäher und abwechslungsreicher umso besser. Da das Thema Ernährung hochkomplex ist und hier absolut den Rahmen sprengen würde verweise ich hier auf den Bereich Ernährung

Nur soviel vorab, eine gesunde Ernährung sollte immer so naturnah wie möglich, ausgewogen und abwechslungsreich sein. Das eine einzige Alleinfutter dass dem Tier alles bietet gibt es nicht.

 

 

Nicht direkt eine Regel, aber ein guter Rat.

 

Tiere ab 10cm kaufen.

 

Diese sind zwar in der Anschaffung etwas teurer, allerdings schon sehr viel robuster als Tiere mit 5-6cm. Auch kann man etwas größere Tiere gleich im größeren Becken halten und muss kein Aufzuchtbecken anschaffen. Dazu kommt, dass Tiere mit 10cm mit 5-6 Mahlzeiten am Tag zufrieden sind, wohingegen man kleinere Tiere alle 1-2 Stunden füttern sollte, und dies bei höchster Hygiene.