Aufzuchtaquarium

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Aufzuchtbecken

 

Obwohl der Kauf von Tieren ab 10cm Größe definitiv der einfachste Weg ist, bevorzugen manche Halter dennoch kleine Tiere um die 5-6cm zu kaufen.


Dies kann verschiedene Gründe haben.


Zum Beispiel dass der Züchter des Vertrauens keine größeren Tiere im gewünschten Farbschlag abzugeben hat.


Leider ist der vermeintlich „billigere“ Anschaffungspreis auch oft ein Grund, jedoch der schlechteste den ich mir nur vorstellen kann. Meist sind es auch die Tiere die aus Kostengründen klein gekauft werden die dann in nicht geeigneten Verhältnissen aufwachsen müssen.


Die Aufzucht von Tieren zwischen 5 und 6 cm kostet nämlich zum einen eine Menge Geld und vor allem noch viel mehr Zeit und Arbeit. Sparen tut man dabei GAR NICHTS!!!!


Oft ist es aber auch schlicht und ergreifend eine absolut falsche Beratung seitens der Händler, die dem Kunden suggerieren man könne einen jungen Diskus einfach ins Aquarium setzen und er wird von alleine groß, ohne besonderen Aufwand oder spezielle Pflege.


Im Gegenteil.



Eine adäquate Jungtieraufzucht bedeutet:


  • Alle 2 Stunden Futter mit anschließendem Absaugen der Reste
  • Eine Gruppe von mindestens 10, besser 20-30 Jungtieren
  • Täglicher Wasserwechsel
  • Aufzucht im eigens aufgestellten Aufzuchtbecken (maximal 300l je nach Gruppengröße)


Tiere ab 10cm aufwärts:


  • Können sofort im endgültigen großen Gesellschaftsbecken gehalten werden
  • Benötigen idR. nur noch 4-5 Mahlzeiten täglich
  • Können direkt (nach erfolgreicher Quarantäne) mit adulten Tieren vergesellschaftet werden

 

Wie das Ideale Aufzuchtbecken aussehen sollte:



Hierbei gibt es eigentlich nur zwei Regeln, nicht zu groß und einfach sauber zu halten.

Die einfachste Variante besonders wenn man neben den Diskus noch andere Hobbies, wie z.B.  Familie oder Arbeit, hat ist ein nackter Glaskasten.

Futterreste sind so einfach abzusaugen und die Tiere zu beobachten ob alle fressen und farblich gut stehen.



Etwas ansprechender für Auge und angenehmer für die Tiere ist die spärlich eingerichtete Variante.


1cm feiner heller Sand auf dem Boden, eine Wurzel zum unterstellen, ggf eine Gruppe Corydoras die sich um die Futterreste kümmern.

Die dünne Sandschicht hat den Vorteil dass die Tiere sich nicht spiegeln was sie unter Umständen erschrecken könnte, und sie können artgerecht ihr Futter durch pusten aufnehmen.

Zudem fühlt sich auch die Putzkolonne wohl und kann gründeln und effektiv arbeiten.


Die Wurzeln gibt den Tieren im sonst leeren Aquarium Sicherheit und Raum zum Unterstellen. Dennoch bleibt das Becken pflegeleicht, man sieht sofort ob doch noch irgendwo ein Rest liegt der abgesaugt werden muss und hat die Tiere selbst gut im Auge.



So bitte nicht!


Natürlich sieht dieses Layout optisch sehr viel ansprechender aus als der leere Glaskasten.


Die Jungtiere gesund groß zu bekommen ist jedoch nahezu unmöglich.


Zwischen den Pflanzen sammeln sich unweigerlich jede Menge Ablagerungen von Kot und Futterresten an. Diese sind ein Brutherd für Keime aller Art. Ein effektives Absaugen der Reste ist nahezu unmöglich, da man einen Großteil überhaupt nicht sieht, wodurch neben der Keimbelastung auch die Belastung des Filter enorm ansteigt, der bei 6-8 Mahlzeiten am Tag ohnehin schon Höchstleistung bringen muss.

Wie so vieles geht auch dies eine Weile scheinbar gut, erst nach etwa 2-3 Monaten kommt es zu den ersten Problemen wie Darmparasiten, Dunkelfärbung, Fressunlust und weiteren Verlauf Glotzaugen, Lochkrankheit, Kümmerwuchs bis hin zum Tod der Tiere.

 

Ein weiterer Fehler der hier gemacht wurde ist der Bodengrund an sich. Statt einem feinen hellen Sand in 1-2cm Höhe wurde ein schwarzer Kies in fast 10cm Höhe gewählt.


Dies erwähne ich deshalb so explizit, da dies in vielen Zoogeschäften so als Empfehlung kommuniziert wird.


Argumente des Handels:


Kies ist pflegeleicht zu mulmen


Die Wahrheit:

Sand muss man gar nicht mulmen, man sieht jedoch jeden Fehler in der Filterströmung und Leistung sofort durch Dreckanhäufungen, da kein Mulm zwischen den Sandkörnern unsichtbar nach unten rutscht sondern alles an Dreck was der Filter nicht aufnehmen kann obenauf liegen bleibt

 

Schwarz bringt die Farben besser zur Geltung


Die Wahrheit:

Die allermeisten Südamerikanischen Zierfische können ihre Körperfarbe ihrer Umgebung anpassen um sich zu tarnen. Der Fisch färbt sich dunkel und sieht dadurch krank aus

 

Der Boden sollte mindestens 5cm hoch sein


Die Wahrheit:

Dies gilt nur für Aquascaper, damit die Pflanzen guten Halt finden. Und natürlich ist es auch Umsatzfördernd die doppelte bis vierfache Menge des benötigten Bodengrund zu verkaufen.

Im Diskusaquarium und bei Sand allgemein gilt jedoch, dass dieser wenn er zu hoch geschüttet wird durch die geringe Korngröße zum verdichten neigt, und sich bereits nach 2-3cm anaerobe Zonen ohne Sauerstoff bilden wo es zu mikrobiellen Gärprozessen kommt.  Zwar wird in solchen anaeroben Zonen auch Nitrat mikrobiell abgebaut, das Risiko dass aber auch unerwünschte Prozesse ablaufen bei denen unter Umständen sogar Giftstoffe wie Schwefelwasserstoff entstehen ist bei hoher Schüttung um einiges größer als bei einem sparsam aufgeschütteten Boden.


Dichte Bepflanzung gibt den Tieren Deckung.


Die Wahrheit:

Wurzelwerk ebenso, allerdings verkaufe ich zur Wurzel nicht noch regelmäßig Nachschub an diversen Düngern. Und Pflanzen bringen auch einfach mehr Umsatz in die Kasse als eine Wurzel.


Pflanzen verbessern die Wasserqualität


Die Wahrheit:

Pflanzen produzieren zwar Sauerstoff, nachts hingegen produzieren sie nur CO2 dass giftig für unsere Tiere ist. Zudem kann man über gute Oberflächenbewegung problemlos ausreichend Sauerstoff einbringen und zwar rund um die Uhr.

Es stimmt auch dass Pflanzen Schadstoffe wie Phosphat und Nitrat verbrauchen, jedoch in eher geringen Mengen und dies auch nur dann effizient wenn man alles was nicht durch die Ausscheidungen der Tiere ausreichend vorhanden ist zudüngt, was wiederum die Tiere belastet.

Dazu kommt dass man wie oben bereits erläutert ein bepflanztes Aquarium unmöglich sauber halten kann, was in der Aufzucht absolute Pflicht ist und auch im späteren Leben für den erwachsenen Diskusfisch von größer Wichtigkeit.

 

Das oben gezeigte Aquarium wurde erst 14 Wochen bevor das Bild entstanden ist neu aufgesetzt. Die Tiere befanden sich genau 2 Wochen im Becken als der Halter mich kontaktiert hat.


Noch während unseres Gespräches bekam ich zum einen die Erlaubnis das Aquarium zu zeigen und zur Aufklärung zu nutzen und der Plan zur Umgestaltung wurde auch sofort gemacht.


Bereits am gleichen Abend wurden noch die Bodendecker entfernt. 

Dabei sind die folgenden Bilder entstanden die eindrucksvoll zeigen wieviel Dreck sich bereits nach nur !!! 2 Wochen !!! mit Fischen unsichtbar zwischen den Pflanzen angesammelt hat.

Zwischen dem ersten Bild und diesen 3 Bildern liegen gerade Mal etwa 2 Stunden.


Und jeder dürfte mir recht eben, dass das Aquarium sehr sauber und gepflegt wirkt auf dem ersten Bild.


Genau da liegt jedoch auch die Gefahr im bepflanzten Diskusbecken, und die Unmöglichkeit im bepflanzten Aufzuchtbecken.

Pflanzen sind nunmal die größten Dreckfänger die es gibt, und der Dreck sammelt sich unsichtbar an.


Dieses Aquarium war gerade mal 2 Wochen besetzt, und gefüttert wurde in einer Schale um die Belastung durch Reste zu minimieren.


In einem weiteren Arbeitsgang wurden eine Woche später die Pflanzen nahezu komplett entfernt, die Einrichtung auf das nötigste minimiert und der Kies gegen Sand getauscht.



Bereits wenige Tage nach der Umgestaltung erreichte mich das Feedback, dass die Tiere ruhiger atmen besser fressen, die Augen hell sind, weniger Streifen gezeigt werden und auch die Dunkelfärbung gehört der Vergangenheit an.


Zudem ist dem Besitzer auch unabhängig von meiner Beratung aufgefallen, dass er kaum noch Arbeit mit dem Aquarium hat und die Wasserqualität besser und vor allem stabiler ist.


Den besten direkten Vergleich bieten jedoch die Tiere selbst, die auf den oberen Bildern obwohl die beiden Aufzuchtbecken sehr leer sind sehr entspannt und leuchtend wirken, während die Tiere auf dem unteren Aquarium vor der Umgestaltung gestresst wirken, danach hingegen vollkommen entspannt und leuchtende Farben zeigen.


Mein Dank geht an dieser Stelle an Michael Pfohl und Sebastian Sass dass ich eure Aufzuchtbecken zeigen durfte und ganz besonders an

Bartosz Daszkiewicz. 

Es ist toll wenn ich ein positives Beispiel zeigen darf, aber es erfordert eine Menge Mut und Charakter ein Bild das Fehler aufzeigt bereitzustellen um damit aufklären zu dürfen.


VIELEN DANK!!!!



Hier nochmals der direkte Vergleich Vorher - Nachher


Zwischen diesen beiden Bildern liegen lediglich 2 Wochen.