Woran man gutes Fischfutter erkennt

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Woran man gutes Fischfutter erkennt

 

 

 

Wir alle streben eine möglichst gesunde naturnahe Ernährung unserer Tiere an, dennoch sind wir mehr oder weniger zumindest zum Teil auch auf Granulate und Fertigfuttermischungen angewiesen. 

 

Da die deklarierten Inhaltsstoffe sich oft ähneln und meist auch keine Mengenangaben dabei sind, bleiben oft nur die analytischen Bestandteile um eine Unterscheidung zwischen gutem und minderwertigem Futter zu treffen.

 

 

1.     Fischmehl

 

Fischmehl (oder auch Fischknochenmehl oder enzymatisch vorverdautes Proteinpulver) hat einen extrem hohen Salzgehalt. Dies liegt an der Produktion. Die Reste zur Herstellung von Fischmehlen werden nämlich zuerst erhitzt und entfettet (damit das wertvolle Fischöl teuer verkauft werden kann) und dann erst gemahlen.

 

Möchte man sein Futter testen nimmt man einfach 100ml destilliertes Wasser und gibt da 1g so fein wie möglich zermahlenes Fischfutter der Wahl hinein. Diesen Mix lässt man ca 5 Minuten ziehen und misst dann die Leitfähigkeit. Hohe Salzgehalte schlagen sich insbesondere in der Leitfähigkeit nieder.

 

Gutes bis sehr gutes Futter ergibt in diesem Mischungsverhältnis eine Leitfähigkeit von unter 500µS! Die genaue Salinität kann man so zwar nicht bestimmen da dafür weitere Technik nötig wäre aber man hat einen guten Anhaltspunkt.

 

Fischmehl in der Deklaration zeigt aber auch an dass Fischöl fehlt. Dies wird zwar durch Pflanzenöle oft aufgefüllt, jedoch hat Fischöl eine andere Zusammensetzung von Omega-3 zu Omega-6 Ölen. Dieses Omega-3 zu Omega-6 Verhältnis sollte im Idealfalle etwa bei 2:1 liegen. Pflanzenöle enthalten fast nur Omega-6 Öle welche in hohen Konzentrationen bei unseren Fischen Entzündungen auslösen können. Omega-3 Fettsäuren hingegen ermöglichen es dem Fisch körpereigene Botenstoffe und Hormone zu bilden die sowohl für das Immunsystem als auch die Vermehrung wichtig sind.

 

 

2.     Weizenmehl

 

Besonders in Futtersorten mit hohem Anteil an Fischmehl ist auch der Anteil an Weizenmehl sehr hoch, da dieses sonst keine Eiweißbindekapazität hätte. Dies bedeutet für uns und unsere Fische, dass sehr viel Stärke im Futter ist. Diese ist schwer verdaulich und belastet das Wasser enorm. Ebenso führen hohe Weizenmehlgehalte zu einer massiven Trübung im Wasser. Ebenso enthält Weizen sehr viel Phosphat der auch in minderwertigem Futter enthalten ist und die Wasserqualität ebenfalls negativ beeinflusst und zu Algenwachstum führen kann.

 

Auch den Stärkegehalt kann man ganz einfach selbst testen. 100ml Osmosewasser mit 1g zu staub zermahlenem Futter für 15 Minuten stehen lassen und dann durch das Glas gucken. Je größer die Trübung umso höher der Stärkegehalt. (kann neben Weizenmehl auch Reis oder Mais sein)

 

 

3.     Protein-Fett-Verhältnis

 

Natürliches Lebenfutter hat ein Protein-Fett Verhältnis von etwa 2:1 bis 3:1 (Angaben % in Trockensubstanz). Auch Trockenfutter sollte im Idealfalle die 4:1 Marke nicht überschreiten.  Klarheit bringen hier die Analytischen Bestandteile auf dem Etikett.

 

[Bremer; Heinz (1997): Aquarienfische gesund ernähren; Ulmer]

 

 

Minderwertige Futtermittel haben oft ein Protein-Fett Verhältnis von über 5:1. Findet der Fisch jedoch in seinem Futter nicht genug Fett zum Verbrennen muss er Proteine verbrennen um seinen Energiebedarf zu decken. Die Eiweißverbrennung führt jedoch zu einer hohen Ausscheidung von Ammonium. 1g Fischfutter mit 42% Rohprotein liefert bis zu 87mg Ammonium! [Söll (2015)]

 

Ein Hochwertiges Diskusfutter sollte um die 45-50% Rohprotein und über 10% Fett enthalten.

 

Dabei sollte der Rohfasergehalt deutlich unter 1% liegen. Hohe Rohfasergehalte sprechen ebenfalls für einen hohen Anteil an „Abfällen“ wie Gräten die nur sehr schwer verdaulich sind. Auch die Rohasche sollte mit unter 2% sehr gering ausfallen.

 

Weiß man erstmal was die Deklarationen auf den Etiketten bedeuten wird es ganz einfach gutes von minderwertigem Futter zu unterscheiden. Ein weiterer Hinweis ist immer wie „durchsichtig“ die Angaben sind. Je genauer der Hersteller angibt was drin ist umso weniger hat er zu verbergen. Und auch wenn das Etikett nur „Fisch und Fischnebenerzeugnisse“ preisgibt, antworten die Hersteller hochwertiger Futtermittel auf Nachfragen idR freundlich und teilen einem mit was man wissen möchte ohne sich hinter schwammigen Ausflüchten zu verstecken.