Weichwasserfische und die Wasserhärte

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Weichwasserfische und die Härte

 

Ein Thema das uns immer wieder beschäftigt.

Wie hart darf das Wasser sein, und was ist hartes Wasser überhaupt?

 

Und dann das Gerücht Fische passen sich an die Wasserqualität an.

 

Was ist Härte überhaupt?

 

Wie im Bereich Wasserwerte erklärt gibt es zwei Arten Härte, einmal die Karbonathärte und einmal die Gesamthärte. Reden Wasserversorger von Härte ist idR die Gesamthärte gemeint, diese besteht aus verschiedenen Ionen und beeinflusst daher auch direkt die elektrische Leitfähigkeit des Wassers.

 

Richtiger wäre es daher von ionenreichem und ionenarmem Wasser zu reden.

 

Betrachten wir nun die Heimat unserer Fische, und teilen hierfür den Amazonas ganz klassisch in Weißwasser, Schwarzwasser und Klarwasser auf. Diskus leben ja meist in Gebieten in denen Mischwasser vorliegt, dies bedeutet insbesondere in der Regenzeit wird ionenreicheres Weißwasser in Klarwasser oder Schwarzwasser eingetragen.

 

Und Ionenreicher bedeutet in diesem Falle Wasser mit einer Leitfähigkeit zwischen durchschnittlich 30 und 60 Mikrosiemens im Weißwasser, in °dH bedeutet dies selbst wenn wir davon ausgehen dass keinerlei Verunreinigungen vorhanden sind maximal eine Gesamthärte von 2°dH. Dies kann man so genau umrechnen, da 1°dH etwa 33 Mikrosiemens entspricht.

 

Im reinen Klarwasser bewegen wir uns sogar in Bereichen zwischen 5 und 15 Mikrosiemens, im Schwarzwasser zwischen 10 und 20 Mikrosiemens.

 

Mit anderen Worten Werten wie sie reines Osmosewasser hat!!!

 

Nun zur Karbonathärte, damit ist eigentlich nur gemeint wieviel Kalk im Wasser ist, genauer wieviel Calciumkarbonate. Diese erfüllen nur einen einzigen Zweck, nämlich den pH-Wert stabil zu halten, und dafür reicht bei einer entsprechenden Beckenpflege und Überwachung bereits eine minimale KH. Selbst bei einer nicht nachweisbaren KH im Bereich unter 0,1 kann der pH mithilfe von Huminverbindungen stabil gehalten werden.

 

Jedoch stabilisiert nicht jedes Humin, insbesondere Torfpräparate und Mittel die Fulvosäuren und Gerbstoffe enthalten können sogar zum gefürchteten pH-Sturz führen!!!

 

Möchte man sein Wasser weich und dennoch stabil halten empfehlen sich kalkhaltige feste Verbindungen wie z.B. Sepiaschale, Korallen oder Muschelbruch im Filter, diese härten in richtig dimensionierter Menge gerade genug auf um den pH vorm kontinuierlichen Absacken durch die Säureproduktion im Filter zu bewahren ohne die Härte signifikant zu erhöhen.

 

Abgesehen von seiner pH Stabilisierenden Wirkung hat die Karbonathärte keinerlei Nutzen im Weichwasser Aquarium. Im Gegenteil hohe Karbonathärten führen zu Nierenschäden, Hierzu aber später mehr.

 

In der Heimat unserer Fische ist die Karbonathärte unter 1, selbst im (nicht sedimentierten) Weißwasser.

 

Anpassung, Ja oder Nein?

 

Die Behauptung Diskus und auch andere Weichwasserfische können problemlos auch in härterem Wasser als in ihrer Heimat leben ist somit natürlich korrekt, zumindest wenn wir die Gesamthärte betrachten, diese darf gut und gerne bis 10°dH hochgehen ohne das geringste Risiko für die Gesundheit der Tiere.

 

Auch die Leitfähigkeit darf höher sein. 400-500 Mikrosiemens machen (sofern sie nicht nur aus Belastung bestehen) kein Problem, das ist mehr als das ZEHNFACHE dessen was die Tiere aus ihrer Heimat kennen.

 

Im Gegenteil eine höhere Mineralstoffkonzentration als in den Heimatgewässern erleichtert den Tieren sogar vieles, da der Amazonas an sich ein sehr lebensfeindliches Milieu bietet. Auch diese Erleichterung ist neben dem größeren Angebot an Nahrung ein Grund warum die Brutzeit mit dem Beginn der Regenzeit zusammenfällt. Die Jungtiere haben so einfach bessere Bedingungen, mehr Mineralien durch den Eintrag aus dem Weißwasser sowie reichhaltiges Angebot an Proteinreicher Nahrung aus Insekten und Larven.

 

Und auch was die Karbonathärte angeht tolerieren unsere Tiere ein vielfaches mehr als sie in ihrer Heimat vorfinden. Erst bei Karbonathärten ab 4 wird es langsam kritisch für die Nieren, und KH 4 bedeutet wenn wir von 0,2 als Mittelmaß in der Heimat der Tiere ausgehen immerhin das 20fache.

 

Organische Besonderheiten der Weichwasserfische

 

Über ausgeklügelte Mechanismen der Osmoseregulation , Ionenregulation und auch Exkretion mit zum Teil zusätzlichen Organen und Organellen die Hartwasserfische nicht besitzen haben sich Weichwasserfische auf ein Leben unter solchen Bedingungen perfekt angepasst.

 

Die Aufnahme von Mineralien aus dem Wasser erfolgt primär über die Kiemen, und zwar direkt im Kiemenepithel, dass bei Weichwasserfischen spezielle Chloridzellen enthält. Diese können bis zu 20% der Epithelen ausmachen und sind extrem leistungsfähige Ionenpumpen.

 

Der größte Teil von Mineralien wird jedoch über die Nahrung aufgenommen, da in den natürlichen Gewässern einfach nicht genug Mineralien enthalten wären, egal wie gut die Tiere diese über körpereigenen Ionentausch aufnehmen können.

 

Zusätzlich besitzen Weichwasserfische gewisse interzellulare Transportsysteme innerhalb der Zellen die es ihnen zusätzlich ermöglichen Mineralien aufzunehmen und zu transportieren.

 

Je effektiver diese Mechanismen arbeiten, umso höher steigt der Osmotische Druck als solches. Dies bedeutet für den Fisch, dass neben der Aufnahme von Wasser durch die Kiemen stetig Wasser durch die Zellen der Haut in den Körper diffundiert. Dass unsere Fische dabei nicht wie reife Kirschen nach einem starken Regen aufplatzen verdanken sie hoch effizienten Nieren. Diese verarbeiten die großen Mengen an Wasser und scheiden sie in Form von hypoosmotischem Harn wieder aus. Je größer die Oberfläche des Tieres im Vergleich zu seiner Masse ist umso mehr Wasser wird täglich ausgeschieden. Beim Diskus wird der tägliche „Durchfluss“ je nach Quelle auf 15 – 60% des Körpergewichts beziffert.

 

Zwar sind all diese Mechanismen im extrem ionenarmen Wasser des Amazonas überlebenswichtig dennoch sind sie auch in ionenreicherem Wasser definitiv kein Nachteil. Man darf jedoch nicht vergessen dass wir bei Ionen lediglich von der Gesamthärte und der durch Mineralien bedingten Leitfähigkeit reden.

 

Für die Haltung bedeutet dies eine moderate Zugabe von Mineralien wird den Tieren gewiss nichts schaden sondern den Kreislauf eher entlasten.

 

Dies gilt ebenso für eine Gesamthärte die sich zwischen 2 und 10 bewegt.

 

Ganz anders sieht es jedoch bei der Karbonathärte aus.

 

„Setzt man den Diskus dauerhaft Wasser mit Karbonathärten ab 4°dH aus, kommt es sehr oft zu Einlagerungen von Calciumphosphat in die Nierengänge. Diese Einlagerungen entstehen wenn durch Futter und Wasser aufgenommene Calciumionen nicht mehr durch die Nieren ausgeschieden werden können.

Meist ist dies eine Überlastung durch zu hohe Ionenkonzentration im Wasser, oder mit anderen Worten eine zu hohe Härte. Die Folge sind Nierenentzündungen sowie ein totales Nierenversagen, was zum Tod führt.“

[Dr. Bauer; Erkrankungen der Aquarienfische; S.52f; 1991]

 

Fazit

 

Betrachtet man die Ausgangswerte unter denen unsere Tiere in ihrer Heimat leben, kann man natürlich sagen dass Diskus problemlos in sehr viel härterem Wasser als ihrem natürlichen Lebensraum gehalten werden können.

 

Allerdings sollte man dabei zum einen zwischen KH und GH unterscheiden, und nicht vergessen, dass selbst eine sehr geringe KH von 2 bereits das ZEHNFACHE!!! Dessen bedeutet was der Amazonas bietet!

 

Auch eine Gewöhnung ist möglich, jedoch muss auch hier unterschieden werden, eine Gewöhnung bezieht sich auf den Ionengehalt des Wassers, also die GH!

 

Ein Umsetzen vom ionenarmen ins ionenreicheres Wasser ist meist problemlos möglich und eine Anpassung innerhalb weniger Stunden möglich, nach einigen Tagen haben die Tiere sich dann komplett auf die neuen Umstände eingestellt. Umgekehrt kann es jedoch schwierig sein Tiere aus sehr ionenreichem Wasser mit hoher GH zurück auf ionenarmes Wasser mit sehr geringer GH zu setzen, zwar sind die Tiere evolutionär jederzeit in der Lage in extrem ionenarmen Gewässern zu überleben dennoch sollte die Anpassung hier sehr langsam vorgenommen werden.

 

Dies ist unter anderem ein Grund warum man die Werte beim Beginn mit Awab über mehrere Tage hinweg langsam anpassen muss, eine höhere Dosis Mineralien jedoch jederzeit ohne Vorsichtsmaßnahmen hinzugeben kann. Lediglich beim erneuten Herabsetzen der Leitfähigkeit sollte man wieder vorsichtig sein.

 

Von einem Diskus der sich umgangssprachlich harten, kalkhaltigen Wasser wohl fühlt und Karbonathärten über 4 problemlos mitmacht kann jedoch keine Rede sein.