Diskusfische verstehen lernen

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"Streifen" lesen lernen

 

 

Jeder Diskushalter kennt das Kaum geht man ans Becken stehen alle an der Scheibe und drängeln und betteln. Und fast jeder hat dabei schon einmal bemerkt wie bei vielen Tieren die Streifen dunkler werden oder sich auf einmal Streifen auf einem Fisch zeigen der beim „ruhigen beobachten“ gar keine zeigt.

 

Dass die Diskus uns über ihre Farbe zeigen können wie es ihnen geht dürfte mittlerweile jedem bekannt sein, wie wichtig ihre Streifen (besonders zur innerartlichen Kommunikation sind) werde ich im Folgenden anhand einiger Beispielbilder zu zeigen versuchen.

 

Vorneweg aber eins, um eure Tiere wirklich zu verstehen müsst ihr sie intensiv beobachten und kennen lernen. Jedes der folgenden Bilder ist nur eine Momentaufnahme, und jeder Diskus ist anders. So unterschiedlich die einzelnen Charaktere der Tiere sind, so unterschiedlich ist auch ihr Streifenspiel und dessen Ausprägung. Mehr als einen groben Überblick wie unterschiedlich sich verschiedene Tiere zeigen können und einen Anreiz eure eigenen Tiere genauer kennen zu lernen kann und will ich hiermit nicht erreichen.

 

 

1.     Von tiefenentspannt zu gestresst

Links: das Tier ist absolut entspannt und zeigt keinerlei Streifen

                      Rechts: Bei Stress werden die Streifen innerhalb von Sekunden deutlich sichtbar engeschaltet, egal ob dies nun   positiver                            Stress in Form der Erwartung auf Futter oder negativer Stress durch äußere Reize oder auch Streitigkeiten ist.

Ranghohes Männchen dass fast nie Streifen zeigt und aufgrund seiner hohen Position in der Rangordnung sehr entspannt ist. Das rechte Bild zeigt das gleiche Tier im „genervten“ Zustand. Genervt da er unmittelbar bevor das Bild entstanden ist mehrfach zwischen Streitigkeiten seiner zwei Damen gehen musste.

Entspannt dennoch aufmerksam zeigt sich das Tier auf dem linken Bild, beim neugierigen vorschwimmen Richtung Kamera werden die Streifen immer intensiver und zeigen die Reaktion auf den äußeren Reiz „Pfleger mit Kamera vor der Scheibe“

Links: Das rechte Tier zeigt Dominanzverhalten, das linke ordnet sich unter, dies erkennt man an der unterschiedlichen Ausprägung des „Augenstreifens“                                                                                                                                               

               Rechts: der mittlere Fisch ist der ranghöchste in dieser Dreierkonstellation, das Tier hält sich komplett raus und und zeigt mehr                   Interesse am Pfleger als an einer „Diskussion“ über die Rangordnung. Das Tier ganz links gibt zwar nach ist aber sehr entspannt n                 was für ein ebenfalls ranghohes Tier spricht.

Auch hier sind deutlich die unterschiedlichen Ausprägungen der Streifen zu erkennen, während die vorderen beiden sowie der hinterste sehr entspannt wirken zeigen die mittleren vier deutliche Streifen, ob es sich hierbei um Aufmerksamkeitsstreifen durch den mitschwimmenden Skalar oder Gruppeninterne Rangordnung handelt ist rein anhand des Bildes jedoch nicht zu sagen, ohne die Tiere persönlich zu kennen.

Links: die Gruppe ist entspannt und zeigt leichte Streifen                                                                                                              

           Rechts: bei der Fütterung wird die Streifenbildung um einiges intensiver

Beim aufmerksamen beobachten seiner Tiere insbesondere am Futter zeigt sich die Rangordnung am deutlichsten. Auch wenn alle gierig aufs Futter gehen zeigen rangniedere Tiere während sie mit ranghohen drängeln Beschwichtigungsfarbe und sagen damit „Hey ich hab zwar Hunger und bestehe auf meinen Teil, aber ich akzeptiere trotzdem voll dass du der Boss bist und will daran auch gar nix ändern“

Auch hier zeigen sich die Tiere auf engem Raum gegenseitig per Streifen dass die Rangordnung akzeptiert wird. Ebenfalls wird per Streifen gezeigt wenn es einem mal zu eng wird und er etwas mehr Abstand wünscht

Rangelei am Futter, der rechte macht deutlich dass ihm das Verhalten des linken Tieres nicht passt.

 

 

 

 

2. Der "Augenstreifen"

 

 

Dieser ist wohl der variabelste und aussagekräftigste Streifen den ein Diskus besitzt. Über diesen funktioniert ein Großteil der Kommunikation und auch der ersten Anzeichen für uns wie es dem Tier geht.

 

Gleichzeitig färbt dieser Streifen das Auge und bestimmt ob das Tier uns gerade rote oder Schwarze Augen oder etwas dazwischen zeigt.

Wie bei den „normalen“ Streifen zeigt er sich in sehr unterschiedlicher Ausprägung, manche zeigen immer einen mehr oder weniger ausgeprägten Streifen über dem Auge, andere schalten ihn zwischendurch auch mal komplett ab. Dies hängt zum Teil wie die Intensität der Körperstreifen auch vom Farbschlag der Tiere ab.

Ranghohes Weibchen dass beim Annähern ans Aquarium beginnt Streifen zu zeigen, der Streifen über dem Auge wird sichtbar bevor man die Körperstreifen sieht (Bilder sind im Abstand weniger Sekunden entstanden)

Auch dieser männliche Kobalt kann seine Streifen über dem Auge innerhalb von Sekunden ein oder ausblenden

Links: bei deutlichem Zeigen des Augenstreifen wird auch das Auge selbst dunkel, der goldene Rand um die Pupille bleibt jedoch erhalten                        Rechts: bei Dominanzverhalten verdunkelt sich das Tier innerhalb von Sekunden blendet jedoch alle Streifen aus. Das                                  unterlegene Männchen im Hintergrund hingegen zeigt einen deutlichen Streifen sowie ein schwarzes Auge.

 

 

 

 

3. Brutkleid

 

 

Obwohl Diskusfische in der Brut ihre Farbe ändern und dunkler werden bedeutet das nicht automatisch dass sich auch die Streifen ändern. Zwar zeigen insbesondere Wildfänge bei Brutlaune nur in der hinteren Hälfte des Körpers Streifen, dies hat jedoch mit dem eigentlichen Brutkleid als Dunkelfärbung nichts zu tun, sondern signalisiert lediglich Laichbereitschaft.

 

Die Dunkelfärbung dient dazu es den Larven zu erleichtern die Eltern als dunkelsten Punkt zu erkennen und anzuschwimmen. Die Streifen hingegen sind ein Kommunikationsmittel mit Artgenossen.

Das linke Bild zeigt das Tier in normaler Färbung im Gesellschaftsbecken, das rechte Bild zeigt das gleiche Tier im deutlich intensiveren Brutkleid einige Monate später, sieht man genau hin zeigt das Tier jedoch in der hinteren Körperhälfte Streifen während es in der vorderen Hälfte keine Streifen zeigt.

Diese beiden sind schon bekannt, so sehen die zwei normal aus

Die gleichen Tiere bei der Brutpflege. Trotz dunklerer brauner Grundfarbe bleibt das Türkis strahlend und die Augen hell und klar. Auch hier erkennt man wenn man ganz genau hinsieht eine minimale Streifenbildung in der hinteren Körperhälfte, ansonsten sind jedoch keine Streifen sichtbar und die Tiere trotz Brutpflege vollkommen entspannt.

Auch hier links das Weibchen in normaler Färbung, rechts bei der Eiablage. Die Farbänderung auf dem rechten Bild wird durch den zweiten Snake der nicht in Brutlaune ist besonders verdeutlicht. Auch hier ist das Brutkleid unabhängig von der Streifenbildung.

Flächig rotes Paar, bei dieser Zuchtform ist kaum ein Brutkleid erkennbar

Links: Blue Diamond mit Jungtieren, auch wenn der Blue Diamond keine Streifen mehr ausbilden kann ist er noch in der Lage sich bedingt dunkel zu färben, sowie dunkle Augen zu bilden. Ebenso können bei Blue Diamond Jungtieren bis ca 3cm zum Teil leichte Streifen beobachtet werden.                   

            Rechts: Flächig rotes Jungtier dass noch recht deutliche dunkle Streifen zeigt, diese sind nach dem Ausfärben jedoch nicht mehr                  sichtbar und können auch nicht mehr gezeigt werden

 

 

 

4. Pigeon Blood und der Ruß

 

 

Pidgeon Blood sowie vereinfacht alle Roten, Gelben und weißen Zuchtformen sowie der Blue Diamond und der Dark Angel können keine Streifen zeigen. Dies schränkt diese Tiere in er innerartlichen Kommunikation stark ein. Dies ist vergleichbar mit einem Gespräch per Chat. Auch hier fehlen Stimmlage, Mimik und Gestik wodurch es gerade in online geführten Diskussionen sehr oft zu Missverständnissen kommt. 80% unserer Kommunikation ist nonverbal. Und ebenso besteht 80% der Kommunikation der Tiere in einem Zusammenspiel von Gestik und Farbe sowie Streifen.

 

Nimmt man einem Tier die Streifen, nimmt man ihm die Möglichkeit in feinen Nuancen zu kommunizieren. Dies ist auch der Hauptgrund warum man „bunte“ Zuchtformen niemals mit Wildfängen mischen sollte. Die Tiere verstehen sich einfach nicht.

 

Allerdings haben Pidgeon und Co etwas das den naturnäheren Farbvarianten gänzlich fehlt, die sogenannten Rußpunkte. Diese sind zum Teil erblich bedingt, der größte Teil an Ruß kommt bei den meisten Tieren jedoch durch zu hartes alkalisches Wasser.

 

Ebenso wie unsere Rot-Türkis und Wildfarbenen usw ihre Streifen anschalten können sind manche Pidgeon in der Lage ihren Ruß stärker oder weniger stark zu zeigen. Interessant hierbei ist dass die Rußpunkte dabei oft Streifen bilden.

 

Oft sieht man diese Rußstreifen bei Tieren in sehr schlechtem Zustand, wie die unteren Bilder zeigen gibt es aber auch Tiere in einem tadellosen Zustand die Rußstreifen zeigen.

 

In meinem eigenen Besitz befindet sich ein Tier dass zwar keinen Ruß in Streifenform zeigt, jedoch seinen Ruß ähnlich wie Streifen an und ausschalten kann. Leider habe ich keine brauchbaren Bilder gefunden die ihn mit Ruß zeigen.

Links: Jungtier mit recht deutlichem Streifenförmigen Ruß                                                                                                           

           Rechts: erwachsenes Tier dass an den Flossenrändern und auf der Nase keinerlei Ruß zeigt jedoch recht deutlich Rußstreifen                       ausbildet

 

 

 

Die gezeigten Beispiele spiegeln nicht einmal 1% der Palette wieder zu der jeder unserer Diskus fähig ist. Meist ist es auch unmöglich das Streifenspiel auf einem Foto einzufangen, da sich dieses sobald man sich dem Becken nähert im Bruchteil einer Sekunde ändert wenn die Tiere uns ihre Aufmerksamkeit widmen. Ebenso besteht der Großteil der Kommunikation in Verläufen von denen man auf einem Foto immer nur eine Momentaufnahme und nie die ganze Bandbreite festhalten kann.

 

Auch gibt es Tiere die ihre Streifen nur sehr sparsam einsetzen, während andere nahezu konstant sehr intensive schwarze Streifen zeigen und nur zwischen intensiv und extrem intensiv variieren.

 

Und natürlich sind es nicht die Streifen allein, die Körperhaltung, wie die Flossen getragen werden das alles spielt eine ebenso große Rolle im Verständnis unserer Tiere.

 

Die beste Möglichkeit eure Tiere zu verstehen besteht aber auch nicht darin hier bunte Bildchen zu gucken und zu lesen was ein selbsternannter Diskusflüsterer hinein interpretiert, sondern eure Tiere zu beobachten, ihre Mimik, ihr Farbspiel wie sie untereinander agieren, ganz ruhig auch mal aus 2-3 m Entfernung um sie nicht abzulenken. Die zeigen euch dann ganz genau was sie meinen. Und mit jeder Stunde die ihr eure Tiere beobachtet werdet ihr sie besser verstehen.

 

Ganz entspannt, ein Bier in der Hand vom Sofa aus, genauso wie ich jetzt hier sitze und euch diese Datei schreibe. Ein Auge auf den Monitor und eins im Aquarium bei den Diskus.