Diskus in hartem Wasser

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Diskus in hartem Wasser

 

 

 

Immer wieder kommt es zur Diskussion über die richtige Wasserhärte zur Haltung von Diskusfischen. Hierbei wird dann sehr oft zwischen Wildfängen und Nachzuchten unterschieden.

 

Vorab solange auch Nachzuchten den wissenschaftlichen Namen Symphosodon Aequifasciatus tragen, werden sie von mir auch als solche behandelt. Wer mir einen wissenschaftlich belegten Artikel vorlegen kann dass sich die Organe von Nachzuchten nach einigen Generationen evolutionär an die Gegebenheiten des Züchters angepasst haben, und diese Tiere sich somit genetisch von ihren wilden Kollegen unterscheiden möge dies bitte unter Angabe aller Quellen tun.

 

Bis dahin werden ich jedoch auch Nachzuchten als Diskusfische betrachten und behandeln.

 

 

Beginnen möchte ich mit einem Zitat:

 

Die räumliche Begrenzung und die Wasserqualität stellen in der Aquarienhaltung ethische Grenzen an die Tiergerechtigkeit. [http://www.vaz.ch]

 

Dies bedeutet für uns, dass wir es unseren Tieren schuldig sind ihnen bestögliche Wasserqualität zur Verfügung zu stellen.

 

Bleibt aber immernoch die Aussage mancher Züchter ihre Tiere wären hartes Wasser „gewöhnt“ 

 

Natürlich ist es einfacher sich selbst einzureden, dass Leitungswasser ausreichend ist, schließlich ist Trinkwasser das am stärksten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland, allerdings reicht ein Blick auf die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung, dass Trinkwasser nicht unbedingt Diskusfreundlich sein muss.

 

Diskus sind (wie die meisten Südamerikaner) ausgesprochene Weichwasserfische, die in eigentlich sehr lebensfeindlichem Wasser leben, dass fast keine Mineralien enthält. Gleichzeitig hat dieses Wasser einen niedrigen pH Wert, d.h. es ist sauer. Das saure Milieu bewirkt einerseits, dass das Wasser sehr keimarm ist, da auch Bakterien hier Probleme bekommen, andererseits müsste es eigentlich die Knochen der Tiere auflösen. Hier kommt in der Natur das Humin ins Spiel. Humin verhindert dass sich das Knochengewebe der Tiere auflöst und hilft besonders den Weichwasserfischen gemeinsam mit speziellen Körperfunktionen Mineralien aus dem Wasser und der Nahrung zu ziehen und im Körper zu speichern.  Dadurch müssten die Tiere aber irgendwann platzen, da der Gehalt an Salzen im Fisch viel größer ist als im Mineralstoffarmen Weichwasser. Der hohe osmotische Druck dem die Tiere dadurch ausgesetzt sind lässt kontinuierlich Wasser über die Haut in die Zellen wandern.

 

Die Nieren verarbeiten das Wasser und scheiden das überflüssige wieder aus (bis zu 20% des Körpergewichts täglich). Dies macht deutlich wie nötig unsere Tiere gut funktionierende Nieren haben.  [vaz.ch]

 

Simple Gemüter könnten nun annehmen, in mineralstoffreichem hartem Wasser hätte der Organismus des Fisches ja prinzipiell weniger zu tun. Ist insofern sogar richtig, dass das Aufrechterhalten des osmotischen Gleichgewichts für Hartwasserfische wie z.B. Malawi oder Koi sehr viel einfacher ist. Diese würden im Wasser des Amazonas in kürzester Zeit verenden, da ihre Physiologie auf diese Extrembedingungen nicht angepasst ist.

 

 

Aber wie sieht es beim Diskus aus?

 

Der Diskus ist ebenso wie alle anderen Weichwasserfische über Jahrtausende hinweg an diesen Lebensraum angepasst, bis zur letzten Zelle im Körper. Setzt man den Diskus nun dauerhaft hartem Wasser aus, kommt es sehr oft zu Einlagerungen von Calciumphosphat in die Nierengänge. Diese Einlagerungen entstehen wenn durch Futter und Wasser aufgenommene Calciumionen nicht mehr durch die Nieren ausgeschieden werden können. Meist ist dies eine Überlastung durch zu hohe Ionenkonzentration im Wasser, oder mit anderen Worten eine zu hohe Härte.

 

Die Folge sind Nierenentzündungen sowie ein totales Nierenversagen, was zum Tod führt.

[Dr. Bauer; Erkrankungen der Aquarienfische; S.52f; 1991]

 

Ebenso kann eine zu häufige Fütterung mir salzhaltiger Nahrung (z.B. Artemia salina) zu Nierenschäden führen.

[Prof. Schmahl, Universität Düsseldorf]

 

Zu Nierengeschwüren führen laut Untergasser neben cancerogenen Stoffen im Aquarienwasser auch überlagerte in Zersetzung befindliche Futtermittel die Aflatoxine als Zersetzungsprodukt enthalten.

[Untergasser; Krankheiten der Aquarienfische; S. 153]

 

Zum Abschluß noch eine Tabelle die ich dem Buch „Diskusfische Könige Amazoniens“ von Mayland entnommen habe, Er selbst beruft sich dabei auf Geißler (1971)

 

 

 

Soviel zur Theorie (wie ich hoffe ausreichend belegt)

 

Nun wo es denke ich klar ist, wie unsere Tiere in der Natur leben (siehe Tabelle) und was zu hartes Wasser anrichten kann (vorrausgesetzt natürlich man betrachtet auch Nachzuchten als Diskusfische) schauen wir uns sichtbare Unterschiede an einem Beispiel an.

 

 

Links: in einer Göße von 12cm bisher gehalten auf KH 8 // pH 7,6;

      Rechts: Größe 14cm nach 3 Monaten auf AWAB KH 0 pH 6,3

 

 

Das oben abgebildete Tier zeigt den typischen nicht veerbten Ruß durch zu hohe KH und pH ausgebildet. Nach Umstellung auf artgerechte Wasserwerte zeigt das Tier sein ganzes Farbpotential. Dieser Effekt tritt besonders bei roten Farbschlägen auf, die zwar die Möglichkeit sich dunkel zu färben und Streifen zu bilden verloren haben, jedoch Rußpunkte ausbilden können.

 

Auch bei wildfarbenen Tieren und blauen Fischen zeigt sich sehr häufig eine intensivere und hellere Farbe, sowie weniger Stress-Streifen.

 

Die Augen werden heller, und durchgehen gezeigte Streifen zeigen sich nur noch bei äußeren Reizen bzw der innerartlichen Kommunikation. Ich persönlich schließe daraus, dass ungünstige Wasserwerte Dauerstress für die Tiere bedeuten, und diese daher eine Färbung zeigen die sie sonst bei Stress wählen.

 

Argumente FÜR naturnahes weiches, Mineralstoffarmes Wasser gibt es viele. Vorneweg die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Tiere, sowie die nachweisbar höhere Lebenserwartung.

 

Die nötige Technik ist dank Osmose, Vollentsalzer und AWAB heutzutage für jedermann einfach und günstig zugänglich.

 

Ebenso sind die natürlichen Lebensräume unserer Tiere hinreichend erforscht, um den Tieren ohne Spekulationen und Probieren optimale naturnahe Biotope im Aquarium bieten zu können.

 

Argumente GEGEN naturnahes Wasser habe ich noch keine finden können.

 

Daher lautet mein Fazit, wer seine Tiere in hartem Wasser hält ist entweder ZU GEIZIG ODER ZU FAUL ihnen ein artgerechtes Zuhause zu bieten, oder die Gesundheit seiner Tiere ist ihm einfach gleichgültig.