CO2 im Diskusbecken

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CO2 im Diskusbecken

 

Bei CO2 handelt es sich um ein Gas. In den Medien ist CO2 derzeit als Klimakiller in höchster Kritik, in der Aquaristik hingegen wird es von vielen Händlern als Wunderwaffe gegen Algen und für schöne Pflanzen gehandelt.

 

CO2 ist elementar für das Leben auf der Erde. CO2 ist ein natürlicher Bestandteil der Atmosphäre Kohlendioxid ist ebenso wie Wasserdampf für den natürlichen Treibhauseffekt mitverantwortlich, und beschert der Erde ihre gemäßigten Temperaturen. Es sorgt dafür, dass ein Teil der Sonnenstrahlung nicht sofort wieder in das Weltall entweicht, und die Erdoberfläche erwärmt. Pflanzen und Meeresalgen benötigen CO2 zum Überleben, nehmen es auf und geben als Abfallprodukt Sauerstoff ab, auf den wiederum Mensch und Tier angewiesen sind. Diese wiederum produzieren bei jedem Atemzug CO2.

 

Dennoch stellt CO2 eine große Gefahr für unsere Tiere dar.

 

Auf natürlichem Wege kann unser Aquarium nur eine ganz bestimmte Menge an CO2 aufnehmen, diese wird bestimmt durch den pH-Wert sowie die Karbonathärte, zusätzlicher Faktor ist noch der CO2-Gehalt der Raumluft.

 

Steigt der Partialdruck des in der Luft enthaltenen Kohlenstoffdioxids über den im Aquarium, nimmt das Becken mehr CO2 auf um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Dies führt zu Kohlensäurebildung und somit zu einer Senkung des pH-Werts, was wiederum das biologische Gleichgewicht im Aquarium stört. Allerdings wird dies in einem normalen Raum kaum passieren. Genau dieses Gleichgewicht wird aber gestört führt man künstlich CO2 zu. Man erzwingt einen künstlich höheren Partialdruck wodurch der CO2-Gehalt im Wasser über das natürliche Gleichgewicht hinaus ansteigt. Atemnot bis zum Ersticken der Tiere kann die Folge sein.

 

 

Natürlicher CO2 Gehalt im Aquarium

 

Wie bereits oben erwähnt entsteht in jedem Becken ganz natürlich CO2 durch Atmung. Die Fische atmen Sauerstoff ein und CO2 aus. Wieviel CO2 dabei produziert wird hängt zum einen davon ab wie hoch die Besatzdichte im Aquarium ist, je mehr Tiere atmen, umso mehr CO2 wird produziert. Aber auch der Sauerstoffbedarf der Tiere spielt eine Rolle. Fische mit einem hohen Sauerstoffbedarf wie unsere Diskus aber auch viele Hypancistren atmen viel Sauerstoff ein und somit auch viel CO2 aus.

 

Die Versorgung der meisten robusten Pflanzen die für uns Diskushalter relevant sind ist somit gegeben. (siehe: Diskus 1x1 für Anfänger).

 

 

Künstliche CO2 Zufuhr über Düngeanlagen

 

Viele Diskushalter haben jedoch den Wunsch auch anspruchsvolle Pflanzen mit einem CO2 Bedarf von 30mg/l und mehr zu pflegen. Im Handel zählt leider sehr oft zu allererst der Umsatz und der Verkäufer freut sich wenn er zusätzlich zur Rotala noch ne Düngeanlage verkaufen kann. Fakt ist aber ab 15mg/l gelöstem CO2 wird es für unsere Tiere gefährlich!!!

 

Gerne wird mit sogenanntem „Bio CO2“ geworben. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Hefe und Zucker, bei der die Hefekulturen anfangen zu gären und dabei CO2 produzieren. Vorteil es ist günstig. Nachteil die Hefen produzieren rund um die Uhr, also auch Nachts wenn die Pflanzen nichts verbrauchen. Atemlähmung und pH-Sturz können die Folge sein.

 

Um dies zu vermeiden greifen viele auf CO2 Gasdruckflaschen zurück. Diese sind regelbar und es gibt sogenannte Nachtabschaltungen. Vorteil hier mit der entsprechenden Technik UND dem entsprechenden technischen und chemischen Fachwissen sind diese Geräte sehr genau steuerbar. Nachteil, die Hersteller wollen uns erzählen dass es kinderleicht ist. Ein paar Blasen zählen und schon hat man das perfekte Aquarium (???). Wieviel CO2 verbraucht wird ist jedoch sehr individuell, dies hängt davon ab wieviele und auch  welche Pflanzen man im Aquarium hat, ebenso muss das CO2, dass die Tiere produzieren in die dosierte Menge mit eingerechnet werden. Berücksichtigt man all diese Faktoren bleibt die Technik, ein undichtes Magnetventil, ein Fehler in der Steuerung und schon wird unkontrolliert CO2 eingeleitet.

 

 

CO2 Tests

 

Diverse Hersteller werben mit im Aquarium befindlichen Dauertestindikatoren für den tatsächlichen CO2 Gehalt im Aquarium. Diese Dauertests haben alle eins gemeinsam, sie sind hochgiftig! Ein herzhafter Schubs von einem neugierigen Diskus oder Wels an den Behälter mit dem Indikator und schon ist das Gift im Wasser!

 

Auch sind diese Dauertests für Diskusaquarien gänzlich ungeeignet, da sie auf CO2 Gehalte zwischen 20 & 35 mg/l geeicht sind und erst bei Erreichen dieser Sättigung umschlagen. Für Diskus wird es jedoch schon ab 15 mg/l gefährlich!

 

Eine Alternative bieten CO2 Tabellen. Diese ermöglichen es die theoretisch mögliche Menge an gelöstem CO2 bei einem bestimmten pH und KH abzulesen. Allerdings sind auch diese Tabellen nicht immer korrekt. Oberflächenbewegung, Belüftung und Filterung beeinflussen den CO2 Gehalt.

 

Korrekt sind diese Tabellen lediglich wenn der pH-Wert künstlich durch CO2 Zufuhr gesenkt wurde. Was man absolut NICHT tun sollte, da dies mit absoluter Sicherheit zu zu hohen CO2 Gehalten und in deren Folge zu Atemlähmung und ersticken führen würde. Ebenfalls korrekt sind sie für stehendes unbelebtes Gewässer.

 

 

Gefahren durch CO2

 

Ab einer Konzentration von 15 mg/l wird CO2 zum Atemgift für Diskus und andere Fische mit hohem Sauerstoffbedarf. Für viele klingt dies weit hergeholt, ist es aber nicht. Bei der Atmung nimmt der Fisch Wasser ins Maul, und presst es durch die Kiemen wieder hinaus. Hierbei wird dem Wasser der gelöste Sauerstoff entzogen und das Blut der Fische mit Sauerstoff angereichert. Gleichzeitig wird CO2 an das Wasser abgegeben. Dies funktioniert per Diffusion über das Konzentrationsgefälle.

 

Je mehr Sauerstoff im Wasser ist umso ruhiger atmen die Tiere. Besonders in sehr stark bepflanzten Becken wo sowohl Sauerstoff als auch CO2 Gehalt sehr hoch sind wird die Atmung der Tiere sehr flach, da ja schon eine geringe Atemfrequenz ausreichend ist um genug Sauerstoff aus dem Wasser zu ziehen. Durch den hohen CO2 Gehalt bei zusätzlicher Zufuhr über 15mg/l kann der Fisch aber nicht genug CO2 zurück ans Wasser abgeben. Eine Versauerung des Blutes ist die Folge. Dies ist höchst gefährlich, da schon minimale Schwankungen im pH Wert des Blutes fatale Folgen haben.

 

In Diskusbecken tritt jedoch meist die zweite Form der CO2 Vergiftung auf. Hierbei ist der Sauerstoffgehalt im Wasser niedrig während der CO2 Gehalt hoch ist. Dadurch steigt auch die Konzentration im Blut bis der CO2-Gehalt im Blut so hoch ist, dass der Fisch trotz heftiger Atmung nicht mehr genug Sauerstoff aufnehmen kann. Der Fisch erstickt.

 

Gleichzeitig oder unabhängig davon kann der pH-Wert im Blut so schnell und stark sinken, dass wichtige Körperfunktionen, z. B. die Reizweiterleitung, stark gestört werden.

 

CO2 ist aber auch für Flora, Fauna und den Mensch eine Gefahr.

 

Die Hauptgefahr durch CO2 besteht in der Verdrängung des Sauerstoffs, wodurch ab Konzentrationen von etwa 8% innerhalb von 30-60 Minuten der Tod durch Ersticken eintritt. [Kühn, 2011]

 

Duckat benennt hier den vulkanischen Kratersee Lake Nyos in Kamerun, der schlagartig etwa 1,6 t CO2 entließ, was zu 1700 Todesfällen sowie einem Verlust des Viehbestandes im Umkreis von 25 km führte. Aber auch ein Aufstieg größerer Mengen CO2 in den Boden ist kritisch zu betrachten. So starben am Mammoth Mountain in den USA große Baumgebiete aufgrund erhöhter CO2 Konzentrationen im Boden ab. [Duckat et.al, 2002]

 

Betrachtet man was CO2 anrichten kann sollte man sich definitiv zweimal überlegen ob man dieses Risiko eingehen und seine Tiere für eine schöne rote Pflanze opfern möchte.

 

 

Maßnahmen um CO2 auszutreiben

 

Die beste und natürlichste Maßnahme ist, so viele Pflanzen im Becken zu haben, dass das ausgeatmete CO2 von den Tieren direkt wieder verbraucht und zu Sauerstoff umgewandelt wird. Hierbei sollte man natürlich darauf achten Pflanzen einzusetzen die sowohl mit den hohen Temperaturen im Diskusbecken, als auch mit geringen CO2 Gehalten unter 15 mg/l zurecht kommen.

 

Eine weitere Möglichkeit ist eine gute Oberflächenbewegung, diese reichert das Wasser gleichzeitig mit Sauerstoff aus der Luft an.

Zusätzlich empfiehlt es sich zumindest nachts wenn die Pflanzen inaktiv sind zusätzlich mit Sprudelsteinen zu belüften und CO2 auszutreiben. Natürlich kann die Belüftung auch 24h stattfinden.

 

Weiterhin ist der Einsatz eines Oxydator empfehlenswert, dieser sollte jedoch nicht unmittelbar in der Nähe eines Sprudlers stehen, da sonst der chemisch gebildete Sauerstoff auch ausgetrieben wird.

 

Dazu nur soviel, ich kenne Becken bei denen zwar mit CO2 gedüngt wird, der im Wasser gelöste Gehalt jedoch nicht über 10mg / l steigt. Diese Becken sind sehr stark bepflanzt und es wird auf sehr viel geachtet, dazu aber gleich mehr. Ich kenne jedoch auch Becken, ganz ohne Pflanzen oder mit sehr wenigen die ohne zusätzliche CO2 Düngung schon kritische Werte über 20mg/l erreichen.

 

 

Vorraussetzungen für eine CO2 Düngung

 

Möchte man trotz aller Risiken CO2 verwenden sollte man sich vorher ganz genau informieren. Hierzu gehört dass man ganz genau bestimmt wieviel CO2 man auf natürlichem Weg bereits im Aquarium hat. Wieviel CO2 die Pflanzen die man hält benötigen, ab welchem Zeitpunkt der Beleuchtung die Zugabe notwendig wird, und wann man abschalten muss, um einen pH-Sturz zu vermeiden.

 

Zusätzlich muss man sich ganz genau informieren, welche Wechselwirkungen auftreten können. Das bedeutet man muss genau wissen wieviele und welche Silikate im Wasser sind, welche Mikro und Makronährstoffe für die Pflanzen. Welche Wechselwirkungen mit der Dekoration (Bodengrund, Steine) auftreten können und wie diese die Wasserwerte beeinflussen. Auch ist eine tiefgehende Beschäftigung mit der Biochemie im Aquarium notwendig, welche Bakterien sitzen wo, reagieren diese auf CO2 und falls ja in welcher Form. Besteht z.B das Risiko auf mikrobiell gebildeten Schwefelwasserstoff?

 

Dazu kommt dann die Einarbeitung in die weiteren Bedürfnisse der Pflanzen. Welche weiteren Nährstoffe brauchen diese für eine optimale Entwicklung? Diese müssen dann per Düngesystem zugeführt werden damit die Pflanzen überhaupt erst in der Lage sind das CO2 optimal zu verarbeiten.

 

Hat man sich all dieses Wissen angeeignet und in die nötige Technik zur Umsetzung investiert, muss man sich dennoch immer im Klaren sein, dass bei einem technischen Defekt unter Umständen eines Morgens alle Fische tot sind.